Es ist so kompliziert. Es ist so anstrengend. Jeder macht es anders und machen wollen es überhaupt wenige, weil die meisten nicht einmal wissen wofür es eigentlich da ist. Die Rede ist nicht etwa von der Steuererklärung (obwohl alle vorher genannten Punkte wohl auch auf diese zutreffen) sondern vom Gendern.

Dabei ist Gendern ein Werkzeug auf dem Weg zur Gleichberechtigung. Wieso? Weil gegenderte Berufsausschreibungen beispielsweise dafür sorgen, dass Frauen sich eher bewerben, als wenn in der Stellenausschreibung einfach nur „Ingeneur“ oder „Bäcker“ steht. Davon fühlen sich weder Frauen, noch Nicht-Binäre Menschen angesprochen. Natürlich ist ein Binnen I oder ein Sternchen kein Allheilmittel für die durch das Patriachart verursachten Probleme, aber es kann eben ein Anfang sein.

Verwirrend ist der „Genderwahnsinn“ wie in Kritiker:innen nennen vor allem aus einem Grund: Es gibt viele Möglichkeiten. Dieser Text soll keine Anleitung sein, die „richtiges“ Gendern erklärt, sondern lediglich die Möglichkeiten aufzeigen und ihre Vor- und Nachtteile erläutern. Wie ich als Mensch außerhalb dieses Textes gendere, dürfte die aufmerksame Leserin oder der aufmerksame Leser inzwischen schon bemerkt haben.

Also fangen wir ganz von vorne an: Was für Möglichkeiten gibt es?

Die Doppelvariante

Inzwischen wohl am Meisten in der Gesellschaft angekommen und spätestens seit „sehr geehrte Damen und Herren“ salonfähig ist es, einfach Männer und Frauen anzusprechen. Egal ob Schülerinnen und Schüler oder Politikerinnen und Politiker, meistens wird dabei die weibliche Form zuerst genannt.

Bonuspoints

Wer mal ein paar extra Zeichen bei der Hausarbeit braucht, hat hier bestimmt gute Karten.

Minuspoints

Es nimmt Platz weg.

Je nach Kontext werden Sätze ziemlich kompliziert.

Man geht von einem binären Geschlechtersystem aus, alles außerhalb davon wird außen vorgelassen.

Genderneutrale Ausdrücke

Es lebe die Substantivierung der Verben! Denn sie ermöglicht es uns, genderneutrale Ausdrücke anstelle des generischen Maskulinums einzusetzen. Von Studierende über Mitarbeitende und Anwesende es mag auf den ersten Blick vielleicht umständlich wirken aber es funktioniert häufiger als das es das nicht tut und spart dabei mehr Platz als die Doppelvariante

Bonuspoints

Von allen hier aufgeführten Varianten ist das wohl diejenige, die am Meisten Platz spart.

Genderneutral heißt natürlich auch außerhalb des binären Geschlechtersystems liegende/stehende/sitzende Menschen werden hier mit einbezogen.

Minuspoints

Es funktioniert leider nicht immer und nicht mit allen Worten, ist also für dauerhaftes Gendern kaum eine Lösung.

Das Gender-Sternchen und die Gender-Gap

An dieser Stelle scheiden sich die Geister. Während Genderneutrale Ausdrücke und Doppelformen meist stillschweigend hingenommen werden, wird bei einer konsequenten Nutzung des Gender-Sternchens gerne mal kritisiert (das gilt aber auch für andere Trenn-formen, die noch folgen). Dabei ist die Idee so praktisch: Anstelle eines Schrägstriches sollen Wörter nicht getrennt sondern verbunden werden und sowohl Stern als auch Lücke auch nicht binäre Menschen in Schüler*innen und Schüler_innen miteinbeziehen.

Bonuspoints

Bildet nicht nur das binäre Geschlechtersystem ab.

Minuspoints

Kann je nach Kontext sehr kompliziert werden.

Der Schrägstrich

Also uff. Der Vollständigkeit halber mit aufgeführt hier auch die eher veraltete Variante des Schrägstrichs zwischen Wortteilen, der heute immer seltener benutzt wird. Schüler/-innen war mit eine der ersten Kurzformen, in das sowohl Männer als auch Frauen mit einbezogen wurden.

Bonuspoints

Relativ kurz.

Gerade ältere Menschen kennen diese Variante häufig, die neueren aber weniger.
Minuspoints

Inzwischen eher selten benutzt, wurde vom Gender-Sternchen und der Gender-Gap abgelöst.

Trennt die weibliche Form als Anhängsel ab.

Wird je nach Kontext sehr kompliziert.

Der Doppelpunkt

Obwohl noch nicht ganz so geläufig wie das sternförmige Gegenstück, ist der Genderdoppelpunkt gerade groß im Kommen. Genau wie den Stern oder auch den Schrägstrich verwendet man ihn zwischen den beiden Wortteilen also z.B. Sänger:innen. Scheint ja zunächst mal genau das Gleiche zu sein, warum also verwenden jetzt immer mehr Menschen einen Doppelpunkt anstelle eines Sternchens. Ganz einfach: Der Doppelpunkt hat die Barrierefreiheit auf seiner Seite. Während Stern oder Schrägstrich von Screenreader Apps von Menschen mit einer Sehbehinderung gelesen werden (also im Beispiel Sänger Stern innen), machen sie dort, wo der Doppelpunkt lediglich eine kurze Pause.

Bonuspoints

Maximale Inklusion nicht nur für Menschen außerhalb des binären Geschlechtersystems, sondern auch für Menschen, die beispielsweise wegen einer Sehbehinderung auf Screenreader Apps angewiesen sind. Im Gegensatz zum Sternchen, machen diese an der Stelle des Doppelpunkts eine kurze Pause, anstatt das Satzeichen vorzulesen. 

Minuspoints

Der Doppelpunkt ist noch nicht fest etabliert, man wird sich definitiv das ein oder andere Mal erklären müssen, wenn man ihn benutzt.

Je nach Kontext werden Sätze ziemlich kompliziert.

Das Binnen I

Abgesehen von genderneutralen Ausdrücken ist das Binnen I die sparsamste Variante. Vom Duden wurde sie aber lange abgelehnt mit der Begründung das Großschreibung innerhalb von Wörtern nicht zulässig sei – das hat sich zum Glück inzwischen geändert.

Bonuspoints

Maximal Platzsparend und unaufwendig zu benutzen.

Minuspoints

Wie auch schon bei der Doppelform bezieht sich auch das Binnen I nur auf ein binäres Geschlechtersystem.

Und was ist jetzt die richtige Lösung?

Das kann ich nicht für euch abschließend beantworten, schließlich bin ich keine Gender-Göttin (auch wenn ich’s vielleicht gern wäre). Ich kann nur noch einmal darauf hinweisen, dass es nur von Vorteil sein kann alle Menschen gleichberechtigt in unser soziales Miteinander miteinzubeziehen und dazu gehört eben auch die Sprache, die wir jeden Tag verwenden.