Hallo ihr Lieben! Ich arbeite bereits seit meinem 15. Geburtstag in der Flüchtlingshilfe, das sind jetzt schon beinahe 5 Jahre. Die Erzählungen der Menschen treffen mich aber immer noch regelmäßig mitten ins Herz, denn jedes Mal wenn man denkt es geht nicht schlimmer, setzt ein paar Tage später jemand mit seiner Lebensgeschichte noch einen drauf. Was ich mit dem Text erreichen will ist, dass die Schicksale dieser Menschen nicht vor lauter Alltag in den Hintergrund gedrängt werden, wir einen Moment innehalten und dankbar sind für das was wir haben und eventuell in der ein oder anderen Situation unser Verhalten oder unsere Worte überdenken. Viel Spaß beim Lesen!

„Wir kämpfen mit Freiheit gegen Waffen
Ein Marathon ins nirgendwo
Doch nur so können wir es schaffen
Mutter, du sollst nicht traurig sein
Mein Tod wird sich rächen
Sei stolz auf mich und bleibe stark
Denn die Hoffnung, die wird leben.“

-„Ana thalea adsaher“ von Abdulbased Alsarut / frei übersetzt

Schreie.
Doch die Stille rauscht laut durch meine Ohren,
Dort unten, am Boden
Ist das Parolenschwingen ausgestorben
Verloren auseinandergestoben
Sind die Kopftuchträger-Massen
Deren grün-weiß-schwarz verdrehte Welt
Den Gegnern der Freiheit trotzt.

Ich knie starr vor dem Fensterloch
Meine Knöchel sind weiß wie die Wand
Ich kralle mich am Rand des Fensters fest
Und hoffe das gibt mir ein wenig mehr Halt
Ich sammle Kraft
Und luge durch das schwarz-verbrannte Loch
Runter auf den Asphalt
Ich sehe sie liegen.
Bedeckt von Asche, Schutt und Grausamkeit
Fensterscherben zerschneiden langsam meine Haut
Doch ich merke nur wie Gleichgültigkeit
Mir den letzten Atem raubt
Ich stehe auf.
Vor Augen den Löwen, der seine letzte Mahlzeit verdaut
Die 20 Millionen Futter-Menschen
Ihre Käfige hat er vor Jahren schon erbaut
Tränen schlagen Rinnen in den Staub auf meiner Haut –

Stopp! Schreie ich
Und von meinen Händen läuft Blut
Allahu akbar (arab. Gott ist groß),
Gott du bist groß
Nimm mich zu dir,
Ich flehe dich an
Musaede (arab. Hilfe),
So hilf mir doch!
Ich laufe durch die Straßen
Sehe graue, staubige Massen
Wie Kieswerk-Gassen
Deren letzter Atemzug
Noch durch meine Lunge muss
Mein rot getönter Blick zieht Kreise
Deren Weite meine enge Brust noch enger schnürt
Kälte frisst sich in unaufhaltbarer Weise
Durch meine verwirrten Gefühle hindurch

Stopp!
Doch wir laufen weiter
Kämpfend für das was unser Leben lebenswerter macht
Und der Löwe zieht weiter seine Kreise
Um den Käfig vor dem offenen Grab.

Du, du bist / du warst doch einer von uns
Doch das Blut deiner Brüder bedeutet dir nichts
Wir wussten um dich
Doch geglaubt ham‘ wir‘s nie
Wir wollten doch nur Freiheit
Und du schenkst uns Krieg
Wir wollten dir nichts tun
Doch so hast du‘s dir verdient
Wir wollten doch nur leben
Doch du hast mit uns gespielt
Also ja, ja wir kämpfen weiter
Das Ziel fest im Blick
Ich finde es lohnt sich
Doch vielleicht nicht für mich
Ich kämpfe für Kinder
Deren Leben noch vor ihnen liegt
Für meine kleinen Geschwister
Und bin ich auch so verletzlich wie sie
Ich sterbe für Freiheit
Und lebe die Demokratie
Wir bekommen Sie nicht zu fassen
Doch wenn nicht jetzt, dann nie.

Ich träume von einem Rohdiamant-Europa
Der passend für uns geschliffen wird
Einem Demokratie-Samenkorn
Das später unsere Früchte trägt
Ich träume von einem „We’re all in this together“ High School Musical Jahr 
In dem jeder an seinen Erfahrungen wächst
Ich träume von Europas langweiliger Normalität
Dem System, das nur an ihren Nerven zerrt
Ich träume von der Demokratie
Und der Freiheit zu wählen
Der Freiheit zu sagen was ich denke
Und wenn es nicht anders geht
Bezahl‘ ich den Preis eben mit meinem Leben
Ich hoffe nur es war nicht umsonst
Und Allah wird mir vergeben
Und die blutgetränken Wege
Werden auf ewig stehen.

„Wir kämpfen mit Freiheit gegen Waffen
Ein Marathon ins nirgendwo
Doch nur so können wir es schaffen
Mutter, du sollst nicht traurig sein
Mein Tod wird sich rächen
Sei stolz auf mich und bleibe stark
Denn die Hoffnung, die wird leben.“

-„Ana thalea adsaher“ von Abdulbased Alsarut / frei übersetzt