[von Linnea Gehlert]

An Stehtischen lehnend schwafeln wir alles Echte umgehend von dem Wetter und uns, aber doch nicht so richtig, stillt meinen Durst auch kein Wasser, kein Sekt oder Wein, wir sind mit Teflon beschichtet anstatt weich und ehrlich zu sein. Setzten Grenzen an Grenzen und wir heben uns ab, kaum zwei Meter dazwischen, fühlt sich an wie ne Schlacht, darum wer von uns am wenigsten er selbst sein kann, ohne unauthentisch zu wirken.

Du, sag ich, kann es nicht mehr halten, fühl mich ehrlich allein. Du, ich möchte doch einfach bloß intim mit dir sein. Nein, jetzt guck nicht verschreckt, und bleib noch ein bisschen. So hab ich‘s nicht gemeint. Nein, behalt sie an deine Kleider, von Schuhsohle bis Schal, aber sei bitte ehrlich, wir sind hier bloß trivial, unbeschwerlich vor Mauern postiert, hinter denen sich irgendwo wer wir sind verbarrikadiert.

Ich will doch einfach bloß intim mit dir sein. Lass mich auf deinen Rucksack in der Bahn achtgeben, weil es heißt, dass die anderen daneben nicht so vertrauenserweckend sind wie ich es bin. Erzähl mir, wo du hinfährst, lehn dich dabei nachdenklich zurück, weißt du wie besonders dein Nachdenk-Blick ist, weil du dabei immer leicht verwirrt die Augenbrauen zusammenziehst, wenn du denkst, dass dich niemand sieht.

Nimm mich in Gruppen, beherzt oder zaghaft, ist mir gleich wie egal, zur Seite als wär das gänzlich normal, dass du mal nur mit mir reden willst und erzähl mir irgendwas. Es muss noch nicht einmal geheim sein, solange du es wirklich meinst, nehm ichs an als mein Privileg, dass ich weiß, wies dir geht und belüg mich nicht ob der Sorgen um mich, dann belüg ich dich auch nicht, auch wenn die Wahrheit oft auch nicht bloß nah, sondern hässlich erscheint, wenn man es mit dem ganz nah beieinander zu gut mit sich meint, grenz dich ab wenn du musst, mein Frust, der vergeht.

Ich will doch einfach bloß mit dir intim sein. Lass uns nebeneinanderstehen Gesicht Hand Hand Gesicht dem Spiegel zugewandt, ohne sprechen zu müssen, denn wir putzen die Zähne, synchron, Gesicht Hand Gesicht. Cremst du dein Gesicht ein oder kämmst du dir jetzt selbst so kurz noch vor dem Bett deine Haare? Verstehst du, wie soll ich Zeit mit dir verbringen, wenn ich nie erfahre, wer du wirklich bist?

Wenn du die Tür aufmachst, Samstagsmorgen verkatert ob des gestern, machst du dir dann Sorgen wegen deines Aufzugs vor dem Postboten, nimmst dir vor dich zu bessern, nicht mehr verschwitzt und gemümmelt andern vor die Augen zu treten, dann ist das das, was ich miterleben will. Lass uns ohne Scheu in Pinguin und Jogginganzug neu aufeinandertreffen, der Pinguin ist meiner, er ist schwarz und sehr flauschig, siehst du sie ist sehr beschaulich, diese Intimität. Sind wir nicht schon jetzt näher zueinander gerückt? Vielleicht nah genug um gemeinsam, wieder Seite an Seite Gesicht Hand Hand Gesicht zustehen, leise summend vielleicht, die Musik aufzudrehen, dazu noch Gemüse auf Brettern zu schneiden, keine Ahnung was das gibt, du sagst was wir kochen, es schmeckt ziemlich fad, doch ich kann dich gut leiden, weil ich jetzt weiß, dass du Würze nicht magst und sind wir ehrlich macht es fertig, dass ich meine Soßen nie abbinde, sodass wir eigentlich Nudeln mit Suppe essen. Das ist zu seltsam und herrlich, um es je zu vergessen.

An Stehtischen lehnend schwafeln wir alles echte umgehend von dem Wetter und uns, aber doch nicht so richtig, stillt meinen Durst auch kein Wasser, kein Sekt oder Wein, wir sind mit Teflon beschichtet anstatt weich und ehrlich zu sein. Doch im Wegdrehen merk ich, wie dein Lächeln aufblitzt, wie ne Hand vom Tisch vor uns meine Tasche stibitzt, passt auch sicher drauf auf, mein Teflon zerläuft zu Kehrmüll gehäuft. Bist dus nicht auch leid, fragst du, immer zu müssen und dabei niemals zu wissen, was der andere denkt oder fühlt, also ich bin, sagst du, grade ziemlich aufgewühlt und darf ich ehrlich sagen, wohl auch ziemlich überfordert mit der Fremde und vielleicht auch mit dir, ich sag ist okay, nehm mein Herz in die Hände und sage, diese Leere, kanns doch nicht gewesen sein und du nickst, mit deinen nachdenklichen Augenbrauen und lass uns doch, lass uns doch einfach intim miteinander sein.