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Novemberwind

[von Laura Necker]

Ihr lieben,

Anlässlich eines Spaziergangs, den ich neulich unternommen habe und der in mir eine melancholische Stimmung über den Rückzug des Lebens während der Wintermonate ausgelöst hat, habe ich spontan ein kleines Etwas zwischen Prosa und Gedicht geschrieben.

Es hat nicht viel Tiefsinn,
Es ist nicht besonders lyrisch,
Es waren einfach nur meine Gedanken und ein wechselnd wohlig warmes und windig wehendes Gefühl,
Das ich versucht habe, möglichst wahrheitsgemäß einzufangen.

Viel Spaß beim Lesen!

Letzte herbstbunt gefärbte Blätter verwehen
und man kann erahnen,
dass wir gerade die letzten Sonnenstunden des Jahres zählen.

Die Natur gibt uns Anlass sich wieder nach Innen zu bewegen,
Unser Heim für Körper und Geist zu pflegen.
Vielleicht ist vieles ein bisschen eingestaubt
Über den Lauf der Zeit,
Vielleicht fühlt man sich noch nicht bereit,
Hat ein wenig Angst, vor den hauseigenen Geistern,
Es wird kälter und leiser,
Und so kann man die eigenen Gedanken wieder besser hören.

Niemand wird uns groß dabei stören,
Uns in unser Schneckenhaus zu verkriechen.
Ich freue mich schon, es zu dekorieren,
Mich in seinen unendlichen Windungen zu verlieren,
Mich mit Schokolade, Tee und Musik einzukringeln
Ab und zu bei Familie und Freundin am Telefon und mit Glück an der Haustür zu klingeln.

Es ist seltsam, sich nicht mehr draußen verstecken zu können,
Kein Sommer-Sonnen-spazierengehen,
bei dem unangenehme Gedanken verwehen,
Nicht mehr mit Freunden grillen und lachen,
Doch dafür freue ich mich auf andere Sachen.

Kekse backen und Weihnachtsfilme schauen,
Endlich mal wieder ein Puzzle zusammenbauen,
Oder an meinem Keyboard in die Tasten hauen.

Ich bin kein Wintermensch und werde es nie sein,
Aber nach dem Schreiben dieses Textes fällt mir wenigstens das Ein oder Andere ein,
Was man an dieser Zeit auch genießen kann.

Also gebt auf euch Acht,
Bleibt gesund und übersteht die gefühlt ewige Nacht,
Die nicht immer still und heilig ist,
Aber man muss nun mal das akzeptieren, was unveränderlich ist.

Es ist eine Zeit, in der man vieles vermisst,
Neben Sonne und warmen Wanderungen
Auch zwischenmenschliche Nähe und Umarmungen –
Aber deshalb ist es auch eine Zeit,
Die man so schnell nicht vergisst,
Und in der man für vieles plötzlich viel dankbarer ist.

Die große Liebe von Sonne und Mond

[von Franziska Rieker]
Diese Geschichte handelt von der Sonne und dem Mond. Beide waren ineinander verliebt. Aber sie konnten sich nicht sehen, weil der Mond erst kommt wenn es Nacht und Dunkel ist und die Sonne erst kommt wenn es Tag und hell ist. Sie schrieben sich Briefe.
Sonne: „Ach, wie ich dich vermisse, Mond! Wenn du jetzt bloß bei mir wärst. Ich liebe dich so sehr.“
Mond: „Ja, du fehlst mir auch sehr! Ich muss immer an dich denken. Wir können uns leider nie sehen. Das ist echt schade!“
Sonne: „Ich halte es ohne dich nicht mehr aus, alles ist so leer ohne dich. Warum kannst du nicht mal am Tag kommen? Dann könnten wir uns sehen.“
Mond: „Ach das wäre schön. Aber leider geht das nicht! Auch wenn ich sehr gerne zu dir kommen würde! Ich kann nur nachts erscheinen.“
Es gibt manchmal Liebespaare, die nicht zueinander passen, weil irgendwas zwischen ihnen ist. Bei der Sonne und dem Mond ist es, dass sie nicht beide zur gleichen Tageszeit da sind.

Lebensnebel – Lena Sophie

[von Lena Sophie] Hallo ihr Lieben! Noch ein Monat, dann ist es endlich Dezember! Ich liebe den Winter und die Weihnachtszeit, ich liebe die Magie, das Gemeinschaftliche, die Liebe, das Backen und auch den ganzen Kitsch, der mit diesem Monat verbunden ist. Aber vor allem liebe ich den Schnee und wie ruhig und friedlich die Welt aussieht wenn es geschneit hat. Leider kann ich mich nur an ein einziges Weihnachtsfest erinnern, das im Schnee stattfand und wenn es mit unserem Klima so weitergeht wird es wohl auch das Einzige bleiben… Vor allem in dieser Zeit denke ich daher oft über den Klimawandel nach. Also dachte ich mir, ich teile heute den folgenden Text über eine hoffentlich fiktive Welt mit euch. Viel Spaß!

Schritt, Schritt,
Schritte tragen mich träge davon
An den Seiten winden sich graue Wände empor
Und dort vorne sieht man
Sichtverdeckende, klappernd-schwarze Kunststoffvisiere sich ihre Wege
durch die betongetränkte Wirklichkeit bahnen

Ich bewege mich in meiner Bahn wie in Trance
Seit bereits schon so vielen Jahren
Kaum noch auszuhalten!
Ist laut Augen auch das Mausgrau der staubübermalten Personen
Die sich monoton davon bewegen
Sich ihrer Verlust-Disposition bewusst entgegen
Doch immer noch in Kreisen bewegen

Und auf meinem Rundlauf durchs All
Umrunde ich unumwunden ein ums andere Mal
Dieselben Stellen mit dem Reiz
Die letzten rumlungernden Erinnerungen nicht zu vergällen
Erhält das Gänseblümchen in einen Glaskasten gepackt
Auch die meisten Spenden der Stadt
Erkennt man bei ihm doch auch das langsame Entschwinden seiner Kraft.

Das graustichig weiße Köpfchen geneigt
Hat das Wüstensand gespickte Nordseewasser wohl doch nicht ganz gereicht
Und es spiegelt sich in den verdreckten Tränenpfützen auf grauem Asphalt
Sieht wie das Gelb seiner Mitte einem senffarbenen, verdreckten Etwas weicht
Ein allerletztes Mal spielen wir das Gänseblümchenblütenblättergame
Wechseln doch zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit
In einer allzu geradlinig verlaufenden Welt

Meine Welt steht Kopf
Ich drehe mich
Sehe am Ende des pechschwarzen Gangs
Sonnenfarben gefärbtes Scheinwerferlampenlicht
Und mit einem herzschlagrhythmusähnlichen Tropfgeräusch
Schmilzt ein feuerrot schmerzendes Loch
In mich

Es tropft –
Von unserem Herz tiefschwarz gefärbtes Glück
Es tropft –
Von Flaschenhälsen gold-gelber Saft mit Vergangenem bestückt
Es tropft
Von unseren Lippen ein Sud der uns taumeln lässt –

Betrunken von der Vergangenheit in der wir gelebt haben
Verdrängen wir die Offensichtlichkeit der Fehler die wir begehen
Haben unsere sichteinschränkenden, klappernd-schwarzen Klappvisiere zum Träumen verschlossen
Doch der grau schwarze Sand
Rinnt ununterbrochen weiter durch meine staubvertrocknete Hand
Und ich spiegele mich in den verdreckten Tränenpfützen auf grauem Asphalt
Und sehe wie das grün-braun meiner Augen
Einem matten blau-grau weicht
Zum Kühlen meiner feuerrot prasselnden Wut bereit

Erfreut sehe ich erneut Farben vor Augen
Ein letztes kraftvolles Zucken
Und Babel-Turm hohe Wolkensäulen sich aufbauen
Marienkäferansicht
Doch sogar die Marienkäfer an sich haben bereits das Gleis gewechselt
Den Wechsel, den Wandel wohl bereits als früher kommend berechnet
In flimmernden Schemen sehe ich durch Fenster in längst vergangene Zeiten
In erschreckt geweitete Augen
Die dieses Bild hier bereitet haben
Jetzt: die schwarz-matten Flecken verändern sich
In grau-brüchig skelettähnliche Gestalten
Zerfallen in sich
Und ich
Warte bis schließlich auch der letzte Tropfen Farbe erlischt.

Schritt – Schwarz
Schritt – Rot
Schritt – Grau

Auch ich zerfall zu Staub.

Gemischte Gefühle

[von Franziska Rieker]

Wir Menschen können manchmal komisch sein mal sind wir groß, mal sind wir klein. Wir schreien uns an und ich denke mir, was ist nur los mit uns Mann!
Wir machen es uns nie recht. 
Ist es wirklich so schwer jetzt in echt?
Wir alle haben gemischte Gefühle, 
doch die sind alle in unserem unordentlichen Gewühle.

Manchmal habe ich Wut in mir, 
die lasse ich dann raus an dir. 
Es ist mir echt peinlich gegenüber dir so zu sein. 
Eigentlich stimmen wir doch immer gegenüber ein, du bist ja auch mein.

Dass ich so manchmal bin?
Macht das alles überhaupt einen Sinn?
Dass wir überhaupt so viele Gefühle haben, darüber war ich mir noch nicht wirklich im Klaren.
Wir kennen uns schon so lange, wenn ich so komisch zu dir bin, wird es mir ganz bange.

Wir lieben uns doch eigentlich, 
aber an diesen Tagen merke ich es einfach nicht, meine Gefühle spielen verrückt,
in diesem Moment ist mir alles missglückt.
Dies alles, was ich getan habe, tut mir leid, es war ja nicht nur eine Kleinigkeit.
Ich habe dich angeschrien, dich geschlagen, eigentlich traue ich mich das nicht zu wagen.

Wir Menschen können manchmal komisch sein, diese Meinung ist nicht nur mein.
Wir haben viele gemischte Gefühle in all unserem Gewühle.

Manchmal merke ich, dass sich meine Muskeln zusammenziehen 
Und denke mir dann, ich muss fliehen. 
Immer schneller pocht mein Herz 
und stärker wird der Schmerz.
Ich habe das Gefühl, ich muss schreien ganz laut 
und ich spüre, dass sich ein Gewitter aufbraut.
Auf einmal bricht alles aus mir aus.
In dem Moment denke ich nur, ich muss hier raus,
raus aus diesen engen Wänden, 
damit ich wieder kann frei denken.
Langsam beruhige ich mich wieder 
die Spannung geht raus aus meinen Gliedern
und langsam bin ich ich selber wieder.
Wir Menschen haben gemischte Gefühle,
doch die sind alle in unsrem Gewühle.

Vom Gendern, Bonus- und Doppelpunkten

[von Linnea Gehlert] Es ist so kompliziert. Es ist so anstrengend. Jeder macht es anders und machen wollen es überhaupt wenige, weil die meisten nicht einmal wissen wofür es eigentlich da ist. Die Rede ist nicht etwa von der Steuererklärung (obwohl alle vorher genannten Punkte wohl auch auf diese zutreffen) sondern vom Gendern.

Dabei ist Gendern ein Werkzeug auf dem Weg zur Gleichberechtigung. Wieso? Weil gegenderte Berufsausschreibungen beispielsweise dafür sorgen, dass Frauen sich eher bewerben, als wenn in der Stellenausschreibung einfach nur „Ingeneur“ oder „Bäcker“ steht. Davon fühlen sich weder Frauen, noch Nicht-Binäre Menschen angesprochen. Natürlich ist ein Binnen I oder ein Sternchen kein Allheilmittel für die durch das Patriachart verursachten Probleme, aber es kann eben ein Anfang sein.

Verwirrend ist der „Genderwahnsinn“ wie in Kritiker:innen nennen vor allem aus einem Grund: Es gibt viele Möglichkeiten. Dieser Text soll keine Anleitung sein, die „richtiges“ Gendern erklärt, sondern lediglich die Möglichkeiten aufzeigen und ihre Vor- und Nachtteile erläutern. Wie ich als Mensch außerhalb dieses Textes gendere, dürfte die aufmerksame Leserin oder der aufmerksame Leser inzwischen schon bemerkt haben.

Also fangen wir ganz von vorne an: Was für Möglichkeiten gibt es?

Die Doppelvariante

Inzwischen wohl am Meisten in der Gesellschaft angekommen und spätestens seit „sehr geehrte Damen und Herren“ salonfähig ist es, einfach Männer und Frauen anzusprechen. Egal ob Schülerinnen und Schüler oder Politikerinnen und Politiker, meistens wird dabei die weibliche Form zuerst genannt.

Bonuspoints

Wer mal ein paar extra Zeichen bei der Hausarbeit braucht, hat hier bestimmt gute Karten.

Minuspoints

Es nimmt Platz weg.

Je nach Kontext werden Sätze ziemlich kompliziert.

Man geht von einem binären Geschlechtersystem aus, alles außerhalb davon wird außen vorgelassen.

Genderneutrale Ausdrücke

Es lebe die Substantivierung der Verben! Denn sie ermöglicht es uns, genderneutrale Ausdrücke anstelle des generischen Maskulinums einzusetzen. Von Studierende über Mitarbeitende und Anwesende es mag auf den ersten Blick vielleicht umständlich wirken aber es funktioniert häufiger als das es das nicht tut und spart dabei mehr Platz als die Doppelvariante

Bonuspoints

Von allen hier aufgeführten Varianten ist das wohl diejenige, die am Meisten Platz spart.

Genderneutral heißt natürlich auch außerhalb des binären Geschlechtersystems liegende/stehende/sitzende Menschen werden hier mit einbezogen.

Minuspoints

Es funktioniert leider nicht immer und nicht mit allen Worten, ist also für dauerhaftes Gendern kaum eine Lösung.

Das Gender-Sternchen und die Gender-Gap

An dieser Stelle scheiden sich die Geister. Während Genderneutrale Ausdrücke und Doppelformen meist stillschweigend hingenommen werden, wird bei einer konsequenten Nutzung des Gender-Sternchens gerne mal kritisiert (das gilt aber auch für andere Trenn-formen, die noch folgen). Dabei ist die Idee so praktisch: Anstelle eines Schrägstriches sollen Wörter nicht getrennt sondern verbunden werden und sowohl Stern als auch Lücke auch nicht binäre Menschen in Schüler*innen und Schüler_innen miteinbeziehen.

Bonuspoints

Bildet nicht nur das binäre Geschlechtersystem ab.

Minuspoints

Kann je nach Kontext sehr kompliziert werden.

Der Schrägstrich

Also uff. Der Vollständigkeit halber mit aufgeführt hier auch die eher veraltete Variante des Schrägstrichs zwischen Wortteilen, der heute immer seltener benutzt wird. Schüler/-innen war mit eine der ersten Kurzformen, in das sowohl Männer als auch Frauen mit einbezogen wurden.

Bonuspoints

Relativ kurz.

Gerade ältere Menschen kennen diese Variante häufig, die neueren aber weniger.
Minuspoints

Inzwischen eher selten benutzt, wurde vom Gender-Sternchen und der Gender-Gap abgelöst.

Trennt die weibliche Form als Anhängsel ab.

Wird je nach Kontext sehr kompliziert.

Der Doppelpunkt

Obwohl noch nicht ganz so geläufig wie das sternförmige Gegenstück, ist der Genderdoppelpunkt gerade groß im Kommen. Genau wie den Stern oder auch den Schrägstrich verwendet man ihn zwischen den beiden Wortteilen also z.B. Sänger:innen. Scheint ja zunächst mal genau das Gleiche zu sein, warum also verwenden jetzt immer mehr Menschen einen Doppelpunkt anstelle eines Sternchens. Ganz einfach: Der Doppelpunkt hat die Barrierefreiheit auf seiner Seite. Während Stern oder Schrägstrich von Screenreader Apps von Menschen mit einer Sehbehinderung gelesen werden (also im Beispiel Sänger Stern innen), machen sie dort, wo der Doppelpunkt lediglich eine kurze Pause.

Bonuspoints

Maximale Inklusion nicht nur für Menschen außerhalb des binären Geschlechtersystems, sondern auch für Menschen, die beispielsweise wegen einer Sehbehinderung auf Screenreader Apps angewiesen sind. Im Gegensatz zum Sternchen, machen diese an der Stelle des Doppelpunkts eine kurze Pause, anstatt das Satzeichen vorzulesen. 

Minuspoints

Der Doppelpunkt ist noch nicht fest etabliert, man wird sich definitiv das ein oder andere Mal erklären müssen, wenn man ihn benutzt.

Je nach Kontext werden Sätze ziemlich kompliziert.

Das Binnen I

Abgesehen von genderneutralen Ausdrücken ist das Binnen I die sparsamste Variante. Vom Duden wurde sie aber lange abgelehnt mit der Begründung das Großschreibung innerhalb von Wörtern nicht zulässig sei – das hat sich zum Glück inzwischen geändert.

Bonuspoints

Maximal Platzsparend und unaufwendig zu benutzen.

Minuspoints

Wie auch schon bei der Doppelform bezieht sich auch das Binnen I nur auf ein binäres Geschlechtersystem.

Und was ist jetzt die richtige Lösung?

Das kann ich nicht für euch abschließend beantworten, schließlich bin ich keine Gender-Göttin (auch wenn ich’s vielleicht gern wäre). Ich kann nur noch einmal darauf hinweisen, dass es nur von Vorteil sein kann alle Menschen gleichberechtigt in unser soziales Miteinander miteinzubeziehen und dazu gehört eben auch die Sprache, die wir jeden Tag verwenden.

Ja hef – Text von Lena Sophie

[von Lena Sophie] Hallo ihr Lieben! Ich arbeite bereits seit meinem 15. Geburtstag in der Flüchtlingshilfe, das sind jetzt schon beinahe 5 Jahre. Die Erzählungen der Menschen treffen mich aber immer noch regelmäßig mitten ins Herz, denn jedes Mal wenn man denkt es geht nicht schlimmer, setzt ein paar Tage später jemand mit seiner Lebensgeschichte noch einen drauf. Was ich mit dem Text erreichen will ist, dass die Schicksale dieser Menschen nicht vor lauter Alltag in den Hintergrund gedrängt werden, wir einen Moment innehalten und dankbar sind für das was wir haben und eventuell in der ein oder anderen Situation unser Verhalten oder unsere Worte überdenken. Viel Spaß beim Lesen!

„Wir kämpfen mit Freiheit gegen Waffen
Ein Marathon ins nirgendwo
Doch nur so können wir es schaffen
Mutter, du sollst nicht traurig sein
Mein Tod wird sich rächen
Sei stolz auf mich und bleibe stark
Denn die Hoffnung, die wird leben.“

-„Ana thalea adsaher“ von Abdulbased Alsarut / frei übersetzt

Schreie.
Doch die Stille rauscht laut durch meine Ohren,
Dort unten, am Boden
Ist das Parolenschwingen ausgestorben
Verloren auseinandergestoben
Sind die Kopftuchträger-Massen
Deren grün-weiß-schwarz verdrehte Welt
Den Gegnern der Freiheit trotzt.

Ich knie starr vor dem Fensterloch
Meine Knöchel sind weiß wie die Wand
Ich kralle mich am Rand des Fensters fest
Und hoffe das gibt mir ein wenig mehr Halt
Ich sammle Kraft
Und luge durch das schwarz-verbrannte Loch
Runter auf den Asphalt
Ich sehe sie liegen.
Bedeckt von Asche, Schutt und Grausamkeit
Fensterscherben zerschneiden langsam meine Haut
Doch ich merke nur wie Gleichgültigkeit
Mir den letzten Atem raubt
Ich stehe auf.
Vor Augen den Löwen, der seine letzte Mahlzeit verdaut
Die 20 Millionen Futter-Menschen
Ihre Käfige hat er vor Jahren schon erbaut
Tränen schlagen Rinnen in den Staub auf meiner Haut –

Stopp! Schreie ich
Und von meinen Händen läuft Blut
Allahu akbar (arab. Gott ist groß),
Gott du bist groß
Nimm mich zu dir,
Ich flehe dich an
Musaede (arab. Hilfe),
So hilf mir doch!
Ich laufe durch die Straßen
Sehe graue, staubige Massen
Wie Kieswerk-Gassen
Deren letzter Atemzug
Noch durch meine Lunge muss
Mein rot getönter Blick zieht Kreise
Deren Weite meine enge Brust noch enger schnürt
Kälte frisst sich in unaufhaltbarer Weise
Durch meine verwirrten Gefühle hindurch

Stopp!
Doch wir laufen weiter
Kämpfend für das was unser Leben lebenswerter macht
Und der Löwe zieht weiter seine Kreise
Um den Käfig vor dem offenen Grab.

Du, du bist / du warst doch einer von uns
Doch das Blut deiner Brüder bedeutet dir nichts
Wir wussten um dich
Doch geglaubt ham‘ wir‘s nie
Wir wollten doch nur Freiheit
Und du schenkst uns Krieg
Wir wollten dir nichts tun
Doch so hast du‘s dir verdient
Wir wollten doch nur leben
Doch du hast mit uns gespielt
Also ja, ja wir kämpfen weiter
Das Ziel fest im Blick
Ich finde es lohnt sich
Doch vielleicht nicht für mich
Ich kämpfe für Kinder
Deren Leben noch vor ihnen liegt
Für meine kleinen Geschwister
Und bin ich auch so verletzlich wie sie
Ich sterbe für Freiheit
Und lebe die Demokratie
Wir bekommen Sie nicht zu fassen
Doch wenn nicht jetzt, dann nie.

Ich träume von einem Rohdiamant-Europa
Der passend für uns geschliffen wird
Einem Demokratie-Samenkorn
Das später unsere Früchte trägt
Ich träume von einem „We’re all in this together“ High School Musical Jahr 
In dem jeder an seinen Erfahrungen wächst
Ich träume von Europas langweiliger Normalität
Dem System, das nur an ihren Nerven zerrt
Ich träume von der Demokratie
Und der Freiheit zu wählen
Der Freiheit zu sagen was ich denke
Und wenn es nicht anders geht
Bezahl‘ ich den Preis eben mit meinem Leben
Ich hoffe nur es war nicht umsonst
Und Allah wird mir vergeben
Und die blutgetränken Wege
Werden auf ewig stehen.

„Wir kämpfen mit Freiheit gegen Waffen
Ein Marathon ins nirgendwo
Doch nur so können wir es schaffen
Mutter, du sollst nicht traurig sein
Mein Tod wird sich rächen
Sei stolz auf mich und bleibe stark
Denn die Hoffnung, die wird leben.“

-„Ana thalea adsaher“ von Abdulbased Alsarut / frei übersetzt

Auf dem Weg zum Neuanfang

Es klingelt drei, viermal. Dann verschwommene Gesichter. Am einen Ende dampft der Herd, am nächsten wird umgezogen, dazwischen hängt man(n) zwischen aufstehen und Verabredung und ganz gegenüber die letzte gerade zwischen zwei Terminen. Die ersten zehn Minuten sind ein kleiner Redeschwall der Information. Wie geht’s euch? Was gibt’s Neues? Was habt ihr von den Anderen gehört?

In die ersten paar Minuten fließt das Vermissen der letzten Monate. Ein paar haben sich zwischendurch wiedergesehen. Nicht alle und viele nur von Bildschirm zu Bildschirm. Dann kommt Ruhe auf.

Okay, heißt es, wo haben wir das letzte Mal aufgehört? Darauf ein Kommentar, weil immer jemensch früh wieder losmuss und eine Entschuldigung von jemensch, der es erst später geschafft hat.

Erst in den ersten Sätzen der Planung entwickelt sich dann die Dynamik und der Fokus kehrt zurück. Wir wollen schließlich etwas schaffen. Neu anfangen. Alles anders machen oder zumindest so, dass es besser passt.

Diesmal machen wir uns eine Liste. Es geht uns nicht (mehr) nur darum, Slamtexte zu posten, sondern um einen Mehrwert, eine Vielfalt: An Textformen, an Stilen, an Hintergründen, an Inhalten. Alles dazwischen zieht sich. Jeder darf etwas dazu sagen, dann verliert sich eine oder einer (meistens eine, weil das Verhältnis häufig 3:1 ist) in den Details. Dabei finden wir etwas Neues.

Am Ende sind es meist nur noch zwei Gesichter, die sich dann in einer Grundsatzdiskussion verlieren. Die anderen sind schon weiter, im Tag, mit den Gedanken, mit den Textideen. Dann ein Auflegegeräusch und ein Termin auf Papier, an dem es weitergehen soll.

So geht das jetzt schon fast zwei Monate. Langsam haben wir genug geredet, To Dos verteilt und ausprobiert. Jetzt wird es Zeit, dass wir wieder loslegen und damit fangen wir jetzt an.